Grusswort "Besa-Ausstellung"

Geschätzter Herr Gemeinderat, 

Sehr geehrter Herr Winter

Sehr geehrter Herr Iseni

Geschätzte Anwesende und Organisatorinnen und Organisatoren



Es ehrt mich, hier und heute als Mitglied des Patronatskomitees Teil der Besa-Ausstellung sein zu dürfen und es freut mich ganz besonders, dass ich dies zusammen mit Herrn Gemeinderat Alexandre Schmidt tun darf. 


Wie sich die meisten hier Anwesenden vorstellen können, trennen Herrn Schmidt und mich in vielen politischen Belangen Welten - sei es die Vorstellung, wie man die Finanzen ins Lot bringt, die Vorstellung darüber, in welcher Verantwortung die Wirtschaft in sozialpolitischen Belangen steht und oder aber die Vorstellung, wo und wann sich der Staat einmischen darf oder soll. Wir haben aber auch Gemeinsamkeiten: nämlich dort, wo es um den Kern der menschlichen Freiheit und somit letztendlich um das Fundament unserer Demokratie geht. Die Gemeinsamkeit besteht in der unverhandelbaren Ansicht darüber, dass jeder Mensch ungeachtet seiner Herkunft, seiner religiösen oder anderen privaten Ausrichtungen die gleichen Rechte hat, dass ein Mensch Rechte hat, einfach weil er ist. 


Eindrücklich hat sich diese Gemeinsamkeit gezeigt, als ich - damals noch als Stadträtin - die Ausstellung „Naqba“ öffentlich kritisierte und danach harsche Kritik einstecken musste. Es waren Kritiken und Reaktionen, die weit über das demokratisch Vertretbare hinausgingen. Im politischen Kuchen von Bern hat damals Herr Schmidt als einer von ganz wenigen mir die Hand gereicht, sich indirekt für mein Recht auf Meinungsäusserungsfreiheit eingesetzt und dafür bin ich ihm bis heute dankbar. 


Besa zeigt eindrücklich eine bis jetzt kaum beachtete Geschichte: Eine Geschichte von Menschen, welche mit viel Mut, Selbstlosigkeit und Nächstenliebe Leben retteten und damit in einer unvorstellbar unmenschlichen Zeit wahre Menschlichkeit an den Tag legten. Und auch in dieser Geschichte zwischen Albanern und Juden offenbart sich der Kern und die Überzeugung der inneren Freiheit eines jeden Menschen sowie das Wissen darum, dass wir nur in Frieden leben können, wenn wir uns trotz dieser inneren Freiheit die Hand reichen, 


“Whoever destroys a soul, it is considered as if he destroyed an entire world. And whoever saves a life, it is considered as if he saved an entire world.”


Mit diesem Zitat aus dem Jerusalemer Talmud komme ich zum Schluss meines Grusswortes, denn es sagt im Umkehrschluss aus, dass die Albaner mit ihrem Akt der Selbstlosigkeit ein Stück der Welt gerettet haben. Und das stimmt hoffnungsvoll.